LGBTQIA+

Dein Coming out Guide

Zwei schwule Männer vor Regenbogenflagge

Im Jahr 2016 haben sich offiziell 7,4% der Deutschen als LGBT* identifiziert.

Eine jede Person, die feststellt, dass sie nicht heterosexuell ist, steht irgendwann vor der Frage: Sollte ich mich outen? Und wenn ja, wie? Vor wem? Wie gehe ich mit negativen Reaktionen um? Wie kann ein Outing mein Leben verändern?

Sollte ich mich outen – und wie oute ich mich am besten?

Wenn du das Bedürfnis dazu verspürst, spricht grundsätzlich nichts dagegen. Es ist besser, sich etwas von der Seele zu reden als es zu ignorieren.

Oute dich am besten (zuerst) in einem sicheren Umfeld. Welches das ist, ist sehr individuell; bei einigen sind es die Eltern, bei anderen die Freunde oder ein(e) Vertrauenslehrer(in) in der Schule.

Tipp

Du bist unsicher, wie andere LGBTQI gegenüber gesinnt sind? Versuche herauszufinden, wie dein Umfeld generell auf das Thema reagiert, indem du es ganz allgemein ansprichst. Sprich die Rechte von Homosexuellen an. Du kannst dich quasi als „Ally“ ausgeben, also als jemand, der LGBTQI unterstützt, anstatt dich direkt zu outen. Anhand der Reaktion auf dieses sie in dem Moment nicht persönlich betreffende Thema kannst du die Grundstimmung erahnen. Vorsicht: Besonders Eltern sind nach außen hin eher tolerant – aber vielleicht nicht, wenn es um das eigene Kind geht.

Wichtig ist: Du musst dich nicht vor jedem outen! Weder jetzt noch überhaupt.

Insbesondere, wenn in deinem sozialen Umfeld Menschen sind, die sich offen homophob zeigen, brauchst du ihnen deine sexuelle Orientierung nicht mitzuteilen. Diese Menschen werden länger brauchen, um dich so zu akzeptieren wie du bist. Vielleicht wird es auch nie geschehen.

Solltest du niemandem in deinem sozialen Umfeld genug trauen und / oder das Thema für dich generell problembesetzt sein, kannst du Beratungsstellen aufsuchen oder online nach Hilfe suchen. Vielleicht kannst du dir auf Youtube Videos zum Thema Coming out ansehen oder auf Facebook mit anderen in LGBTQI-Gruppen chatten. (unbezahlte Werbung)

Wie gehe ich mit negativen Reaktionen um?

Leider wird vermutlich nicht jede(r) positiv auf dein Coming out reagieren. Das ist besonders dann prekär, wenn es ausgerechnet nahe Bezugspersonen wie z.B. die Eltern sind. Das Wichtigste in so einem Fall: Rede über deine Gefühle! Vertraue dich jemandem an und schildere, was genau diese Zurückweisung in dir auslöst!

Für ein solches Gespräch kannst du enge Freunde, Lehrer(innen), Psycholog(inn)en oder Therapeut(inn)en heranziehen. Du kannst dich auch an eine Online-Community wenden.

Wenn du deine Gefühle in dich hineinfrisst, potenzieren sie sich und können (schneller als du denkst) zu psychologischen Beeinträchtigungen führen. Besonders wenn die Menschen, die dich nicht akzeptieren, deine Eltern sind, kann professionelle Hilfe die beste Entscheidung sein.

Erkenne außerdem: Du bist nicht abhängig von der Meinung der Person, die dich zurückweist! Du bist selbstständig. Du kannst dich abwenden von Menschen, die dich nicht akzeptieren. Du hast ein Recht darauf, du selbst sein zu dürfen und um deiner selbst willen geliebt zu werden.

Du darfst dich mehrfach outen!

Was, wenn du dich geoutet hast – und dich inzwischen ganz anders identifizierst als zum Zeitpunkt deines Outings?

Ganz einfach: Das ist gar kein Problem. Du bist nicht dazu „verpflichtet“, bei der sich zum Zeitpunkt deines Coming Outs für dich richtigen sexuellen Orientierung zu bleiben.

Ein Coming Out bedeutet, dass du deinem Umfeld deinen Jetzt-Status mitteilst. Wie jeder andere Mensch auch lernst du selbst dich jeden Tag besser kennen. Du entwickelst dich weiter, entdeckst Neues in der Welt und an dir selbst. Es ist vollkommen in Ordnung, dass eine sexuelle Orientierung, die sich für dich einst richtig angefühlt hat, sich nun nicht mehr aktuell anfühlt.

Ich selbst habe mich auch zweimal geoutet: Zuerst als bisexuell und dann als lesbisch. Und damit bin ich in meinem Umfeld bei Weitem nicht die einzige!

Wie lief es denn bei mir?

Ich hatte mein Coming out mit 14 als ich ein offen bisexuelles Mädchen kennenlernte, in das ich mich erstens verliebte und das mir zweitens überhaupt erst die Information gab, dass etwas anderes abseits der Heterosexualität existiert. Auf einmal wurde mir klar, warum ich im Laufe meines Lebens immer wieder mit einigen Mädchen uuunbedingt „befreundet“ sein wollte und warum ich mich „zufällig“ nur für die Jungs interessierte, die meine beste Freundin toll fand – ich orientierte mich an ihr und wollte normal sein. Ich hatte bemerkt, dass etwas „nicht stimmte“ – aber bis zu dem Zeitpunkt hatte ich keinerlei Kontakt zu LGBTQI, so dass ich ernsthaft nicht einmal wirklich wusste, dass so etwas existiert.

Weil diese Erkenntnis für mich neu war, aber auch ein wenig erschreckend (und zugleich sehr beruhigend, weil sie vieles erklärte!), hatte ich das Bedürfnis, mich zu outen.

Die positiven Reaktionen

In der Schule damals reagierte nur ein Junge negativ, aber dessen Meinung konnte ich getrost als unwichtig abtun, da er mir nie nahe stand und ich nun wirklich in keinster Weise von seiner Akzeptanz abhängig war.

In meinem Freundeskreis störte sich gar keiner an meinem Coming out (weder an meinem ersten noch an meinem zweiten, übrigens). Ich muss dazu sagen, dass ich schon immer beim Thema Freundschaften einen „guten Geschmack“ hatte. Freunde sind für mich wirklich die Familie, die man sich selbst aussuchen kann. Und ich bin sehr sehr dankbar für jede einzelne Person in meinem Freundeskreis.

Die negativen Reaktionen

In meiner Familie wissen nur meine Eltern Bescheid, die leider sehr negativ reagierten. Bei dem Gespräch weinte ich aus Angst, sie zu enttäuschen und ihre Liebe zu verlieren. Das war für meinen Vater ein Anzeichen dafür, dass ich selbst gar nicht einverstanden sei mit dem, was ich da von mir gab. Die Logik habe ich bis heute nicht begriffen, aber er war der festen Überzeugung, dass meine Tränen bedeuteten, ich sei heterosexuell und würde gerade etwas beichten, was nicht stimmen würde.

Ein Jahrzehnt lang (!) versuchte meine Mutter immer wieder, mich mit irgendwelchen Jungs zu verkuppeln – und ich bin nicht sicher, ob sie nun aufgehört hat oder ob es wieder passieren kann. Generell warnten mich die beiden, ich würde mir das Leben „unnötig schwer machen“ – was witzig ist, weil die bisher einzigen wirklich einschneidend negativen Reaktionen von ihnen kamen. Ausgerechnet von den beiden Menschen im Leben, die man sich nicht aussuchen kann. Ich habe sehr darunter gelitten und es fiel mir unheimlich schwer, mich von ihnen so weit zu distanzieren, dass ich mich selbst akzeptieren konnte – auch ohne dass sie mich akzeptierten.

Du möchtest etwas zu dem Thema bei Instagram teilen? Einige Kerngedanken dieses Blogbeitrags habe ich hier zusammengetragen:

https://www.instagram.com/p/CDoW43OnFAX/

Du möchtest eine psychologische Beratung bzw. ein Coaching zum Thema Coming out bzw. LGBTQIA+? Gerne helfe ich dir mit meinem Know-how zu diesem Thema: von Asexualität über Coming out bis hin zu Diskriminierung, HIV und Trans*identität!

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